Wo viele Menschen den Wald nutzen, treffen unterschiedliche Interessen aufeinander – etwa zwischen Erholung, Naturschutz und Forstwirtschaft. Das Projekt „Wir im Wald“ untersuchte über drei Jahre typische Nutzungskonflikte und entwickelte Kommunikations- und Beteiligungsansätze, um diese zu entschärfen. Die Konflikte erstreckten sich über vier Fallregionen in ganz Deutschland: Der Rangsdorfer See in Brandenburg, der Stadtwald in Freiburg, den Hirschberg in Bayern, sowie den Rothaarsteig im Sauerland.
Das Ziel des Projektes „Wir im Wald“: ein besseres Miteinander im Wald und mehr Verständnis für unterschiedliche Interessen und Nutzungsbedürfnisse.
Dialog statt Spannung: Konflikte verstehen, Lösungen gestalten
Das Projekt umfasste vielfältige Forschungsarbeiten. Dazu gehörten Fallstudien in vier Regionen, Besucherbefragungen vor Ort sowie Interviews mit Expert*innen aus Forstwirtschaft, Naturschutz, Tourismus, Outdoor-Bereich und Verwaltung. Außerdem wurde die Nutzungsintensität erfasst, zum Beispiel mithilfe von Zählgeräten, und öffentliche sowie mediale Diskurse wurden analysiert. Aus dieser Forschung konnte „Wir im Wald“ zahlreiche Schlüsse ziehen. Die zentralen Erkenntnisse des Projektes waren etwa, dass es sich bei Nutzungskonflikten häufig um Kommunikationskonflikte handelt, bei denen Regeln allein nicht ausreichen. Es muss stattdessen Beteiligung und eine transparente Informationsgrundlage geschaffen werden, die zu mehr Akzeptant der Betroffenen führt. Denn: Dialog schafft Verständnis – von Konflikten zu Kooperation ist das Motto.
Rangsdorfer See (Brandenburg) – Weil der Rangsdorfer Wald nicht in die Mülltonne gehört
Eine der vier Fallregionen liegt am Rangsdorfer See in der Nähe von Berlin. Dabei kommt es immer wieder zu Verstößen gegen forstwirtschaftliche Regeln. So ist etwa unbefugtes Befahren von Waldwegen ein häufiger Auslöser für Spannungen zwischen Erholungsgruppen und der Forstwirtschaft. Eine weitere Herausforderung am Rangsdorfer See stellt illegale Müllentsorgung im Wald dar. Durch eine Diskussionsrunde und ein aufklärendes Video förderte „Wir im Wald“ die Einbindung verschiedener Akteur*innen und das Verständnis für geltende Regeln. Zusätzlich erfolgte eine Analyse der Wahrnehmung von Regeln aus Sicht der Waldbesuchenden. Diese Maßnahmen schafften besseres Verständnis für forstliche Belange sowie die Vernetzung der Behörden und Verbände. Die große Erkenntnis aus dieser Fallregion: Ein Austausch ist wichtig, damit alle Akteur*innen an einem Strang ziehen.

Freiburg (Baden-Württemberg) – Waldwege im Einklang: Freiburgs Stadtwald vereint Biker und Wandernde
Der nächste Konflikt befindet sich in Freiburg, wo der Stadtwald eine hohe Nutzungsintensität erfährt. Die unterschiedliche Geschwindigkeiten und Erwartungen der Wandernden und Mountainbikefahrenden verursachen ein Gefühl der Unsicherheit auf gemeinsam genutzten Wegen. In dieser Region führte das Projekt Dialogformate mit verschiedenen Nutzendengruppen durch, sowie Analysen der Wegesituation und des Wegekonzepts. Zudem entwickelte „Wir im Wald“ Kommunikationsansätzen zur gegenseitigen Rücksichtnahme. Dadurch konnte mehr Verständnis für unterschiedlicher Nutzungsbedürfnisse, klarere Erwartungen im Umgang miteinander und Ansätze für konfliktärmere Wegenutzung geschaffen werden. Hier kann folgender Schluss gezogen werden: Durch frühzeitigen Austausch und gemeinsame Lösungsansätze lassen sich Konflikte wirksam entschärfen.

Hirschberg (Bayern) – Wildschutz trifft Wanderlust: Hirschbergs Harmonie für Tier und Mensch
Das hohe Besucheraufkommen und seine Folgen für bedrohte Wildtiere und Vegetation sind Thema am Hirschberg im Landkreis Miesbach in der Nähe des Tegernsees. Wintersport in sensiblen Lebensräumen beeinträchtigt das vom Aussterben bedrohte Birkwild erheblich. In der Region besteht ein Nutzungskonflikt zwischen Erholungsaktivitäten und dem Schutz der Art. Durch die Analyse des Besucherverhaltens, Maßnahmen zur Besucherlenkung und Informationsangebote zum Schutz sensibler Arten konnte das Projektteam am Hirschberg wichtige Impulse setzen. Dazu zählten insbesondere die Sensibilisierung von Besuchenden für Naturschutzbelange sowie die Unterstützung der Akteur*innen vor Ort bei der Besucherlenkung, etwa durch ein neues Beschilderungskonzept und einen Ansatz, um den Vorgipfel attraktiver zu gestalten. Was für einen Schluss kann „Wir im Wald“ am Beispiel dieser Fallregion ziehen? Gezielte Besucherlenkung sowie Aufklärung ermöglichen Schutz und Nutzung zugleich.

Rothaarsteig, Sauerland (Nordrhein-Westfalen) – Wandel verstehen, Wald erleben: Rothaarsteig verbindet Erholung und Waldbewirtschaftung
In der Fallregion am Rothaarstieg bestehen Interessenkonflikte zwischen Waldbewirtschaftung und Tourismus sowie Freizeitnutzung. Kahlschläge aufgrund von Borkenkäferbefall und schwerwiegenden Sturmschäden haben das Landschaftsbild verändert und beeinträchtigen den Erholungswert aus Sicht vieler Besuchender. Konfliktursache sind unterschiedliche Bewertungen der Waldbewirtschaftung. Auch hier führte „Wir im Wald“ Besucherbefragungen für die Erfassung der Nutzungsintensität an vier Standorten durch und begab sich auf Waldspaziergänge mit Expert*innen. Sichtbare Eingriffe im Wald erwiesen sich dabei als Auslöser für Nutzungskonflikte, da sich viele Besuchende „ihrem“ Wald stark verbunden fühlen und auf Veränderungen besonders sensibel reagieren. Durch Information und öffentlichen Diskurs können Konflikte entschärft werden. Die Erkenntnis am Rothaarstieg: Transparente Kommunikation über Walddynamik fördert Verständnis und Akzeptanz.

Der Abschluss
Nach drei Jahren neigt sich das Projekt „Wir im Wald“ dem Ende zu – doch die Wirkung des Projekts reicht weit darüber hinaus. Die Erkenntnisse aus den einzelnen Fallregionen und die Einblicke in die gemeinsame Arbeit bleiben bestehen und können weiter genutzt werden. Über die Website und die sozialen Medien bleiben Erfahrungen, Ergebnisse und Impulse sichtbar und laden auch künftig zum Weiterdenken und Mitmachen ein. Und auch in der Podcastreihe „Mein Wald, dein Wald – unser Ergebnis“ werden die Learnings festgehalten. Was bleibt, ist die Relevanz von Deliberation und Partizipation. Der Wald gehört uns allen und deshalb liegt es in unserer Verantwortung, ihn zu schützen. Die Erkenntnisse, die das Projekt „Wir im Wald“ über die Jahre gesammelt hat, sollen langfristig erhalten bleiben. Alle Ergebnisse und Empfehlungen sind in einem Handlungsleitfaden gebündelt und können jederzeit nachgelesen und genutzt werden.
Weitere Informationen zum Projekt, einschließlich Publikationen und Pressematerialien, finden Sie unter www.wir-im-wald.de.
